Familienplanung bei Blutgerinnungsstörungen

Kann ich trotz einer Blutgerinnungsstörung eine Familie gründen?

Auch mit einer erblichen Blutgerinnungsstörung wie der Hämophilie oder der Von-Willebrand-Erkrankung (VWE) ist es möglich, eine Familie zu gründen. Selbst wenn Ihr Kind von der Erkrankung betroffen sein sollte, gibt es heutzutage gute Behandlungsmöglichkeiten, die ein weitgehend normales Leben ermöglichen.1

Kann eine Blutgerinnungsstörung an mein Kind vererbt werden?

Wenn Sie selbst von einer Blutgerinnungsstörung betroffen sind, werden Sie sicher die eigenen Erfahrungen bei Ihren Überlegungen, eine Familie zu gründen, mit einbeziehen. In diesem Fall lohnt es sich für Sie und Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin, sich vorab ärztlich beraten zu lassen. In einem Gerinnungszentrum werden Sie umfassend über die Erkrankung, ihren Vererbungsweg, aktuelle Therapieoptionen sowie Anlaufstellen für Betroffene informiert. Wann Sie klären möchten, ob Ihr Kind die Erkrankung erben könnte beziehungsweise geerbt hat, ist ganz allein Ihre Entscheidung. Vor einer Schwangerschaft kann eine humangenetische Beratung durchgeführt werden

Was ist eine humangenetische Beratung?

Bei einer humangenetischen Beratung erhalten Sie Informationen darüber, ob und wie eine Blutgerinnungsstörung vererbt werden kann. Es gibt in Deutschland mehrere Zentren, die auf die Diagnostik und Behandlung seltener Erkrankungen spezialisiert sind.2 Während einer Schwangerschaft können Sie sich für pränataldiagnostische Untersuchungen entscheiden. Ihre Gynäkologin bzw. Ihr Gynäkologe kann Sie zu beiden Optionen beraten.3 Bedenken Sie dabei, dass die vorgeburtliche Diagnostik nur ermitteln kann, ob Ihr Kind betroffen sein könnte – nicht aber, wie stark die Erkrankung ausgeprägt sein wird.3

Kann nach der Geburt festgestellt werden, ob mein Kind eine Blutgerinnungsstörung hat?

Nach der Geburt Ihres Kindes kann anhand einer Blutprobe aus der Nabelschnur untersucht werden, ob es an einer Blutgerinnungsstörung erkrankt ist. Dabei werden auch Faktoren untersucht, die die Ausprägung der Erkrankung zeigen.4

Worauf sollte ich bei Schwangerschaft und Geburt achten?

Unabhängig vom Zeitpunkt der Diagnose sind entsprechende Vorbereitungen ratsam, wenn bei Mutter und/oder Kind ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht. Damit sowohl Schwangerschaft als auch Geburt für Sie und Ihr Kind möglichst sicher verlaufen, sollten Sie sich Unterstützung durch Expert:innen für Hämostaseologie holen. Informieren Sie Ihre Gynäkologin bzw. Ihren Gynäkologen und Ihre Hebamme sowie alle anderen involvierten Behandler:innen über die (potenzielle) Erkrankung. Wählen Sie möglichst eine Geburtsklinik, die Erfahrung mit Blutgerinnungsstörungen hat. Alle Geburtshelfenden sollten informiert und gut vorbereitet sein, um eventuellen Komplikationen vorbeugen zu können.5

Familienplanung bei seltenen Blutgerinnungsstörungen
Neben der Hämophilie oder VWE können auch andere seltene Blutgerinnungsstörungen besondere Anforderungen an die Familienplanung stellen. Betroffene sollten sich frühzeitig durch spezialisierte Zentren beraten lassen. Dies gilt beispielsweise auch für die kongenitale thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (cTTP), bei der Schwangerschaften eine besondere Betreuung erfordern können.6,7 

Mehr zu cTTP erfahren

Drei Personen liegen gemeinsam auf einem Bett. Das Motiv steht für Familienplanung und das Leben mit einer von-Willebrand-Erkrankung.

Wo finde ich Unterstützung und Beratung?

Der Umgang mit seltenen Blutgerinnungsstörungen sowie das Bewusstsein dafür haben sich in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt.8 Mit Ihren Fragen und Sorgen können Sie sich an das erfahrene Fachpersonal im Gerinnungszentrum oder an die Patientenorganisationen (s. unten) wenden. Es ist völlig normal, sich angesichts dieser Themen zunächst verunsichert oder überfordert zu fühlen. Bedenken Sie, dass Sie diese Herausforderung nicht allein stemmen müssen und dass bereits viele andere Patient:innen mit derselben Situation konfrontiert waren.

Die Familienplanung bzw. die erste Zeit mit einem Baby, das eine Gerinnungsstörung hat, kann mit emotionalen Belastungen verbunden sein – z. B. mit Schuldgefühlen, die Genmutation vererbt zu haben, oder Unsicherheit bei der Frage, wie der Alltag zu gestalten ist. Hier kann der Austausch mit anderen Patient:innen und Familien sehr wertvoll sein. 

Warum kann der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein?

Der Kontakt zu Betroffenen unterschiedlicher Altersgruppen, der Austausch von Erfahrungen und Tipps können Ängste abbauen, Sorgen nehmen und neue Perspektiven aufzeigen. "Spricht man mit Betroffenen, deren Kinder älter als das eigene Kind sind, ist es manchmal ein wenig wie ‘Kartenlegen bei einem Wahrsager‘ – man erkennt Parallelen, manches könnte dann so eintreffen, aber man weiß, dass man das eigene Schicksal so oder so selbst in der Hand hat", berichtet Carmen. Es gibt eine große Community, die sich in zahlreichen Kanälen vernetzt. Davon können auch Sie profitieren und sich ein Bild vom Leben mit der Erkrankung machen.

Gibt es Selbsthilfegruppen oder Netzwerke für Betroffene?

Die Patientenverbände organisieren jährlich Veranstaltungen, um Betroffene und ihre Angehörigen zu unterstützen. Dazu gehören Familientreffen, Wochenendfreizeiten für Väter und Söhne oder Events für Konduktorinnen. Nähere Informationen zu den Terminen finden Sie auf den Webseiten der Interessengemeinschaft Hämophiler e. V. (IGH) und der Deutschen Hämophiliegesellschaft e. V. (DHG).

Weitere Informationen für Frauen mit Blutungsneigung
Starke oder lang anhaltende Monatsblutungen werden im Alltag häufig unterschätzt. Das Starke Tage Tool unterstützt Frauen dabei, ihre Menstruation strukturiert zu dokumentieren und Veränderungen besser nachzuvollziehen. Die gesammelten Informationen können dabei helfen, das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin vorzubereiten.

➞ Zum Starke Tage Tool

Referenzen

  1. Bidlingmaier, C. et al.: Ein Kind mit Hämophilie. Deutsche Hämophiliegesellschaft zur Bekämpfung von Blutungskrankheiten (DHG) e. V. (Hrsg.). Oktober 2020. 
Verfügbar unter: https://www.dhg.de/fileadmin/dokumente/sonderdrucke/Ein_Kind_mit_Haemophilie.pdf (abgerufen am 20.08.2026).
  2. Frauenärzte im Netz: Humangenetische Beratung, 
Stand: 02.05.2018. URL: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/diagnostik/praenatale-diagnostik/humangenetische-beratung/ (abgerufen am 20.08.2026).
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – familienplanung.de : Was ist Pränataldiagnostik?, 
Stand: 20.07.2023. URL: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/die-schwangerschaft/praenataldiagnostik/was-ist-praenataldiagnostik/ (abgerufen am 20.08.2026).
  4. Srivastava, A. et al.: WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3rd edition.Haemophilia. 2020: 26(Suppl 6): 1–158. 
Verfügbar unter: https://doi.org/10.1111/hae.14046 (abgerufen am 20.08.2026).
  5. van Galen K, Lavin M, Skouw-Rasmussen N, et al. European principles of care for women and girls with inherited bleeding disorders. Haemophilia. 2021; 27:837-847. 
Verfügbar unter: https://doi.org/10.1111/hae.14379 (abgerufen am 20.08.2026).
  6. Béranger N, et al.: Management and follow-up of pregnancy-onset thrombotic thrombocytopenic purpura: the French experience. Blood Adv. 2024 Jan 9;8(1):183-193. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1182/bloodadvances.2023011972 (abgerufen am 20.08.2026).
  7. Story C, Mazepa M, Chaturvedi S.: Updated ISTH thrombotic thrombocytopenic purpura guidelines 2025—a bridge to the future for congenital thrombotic thrombocytopenic purpura. Journal of Thrombosis and Haemostasis, 23, 3437-3440. Verfügbar unter https://www.jthjournal.org/article/S1538-7836(25)00528-8 (abgerufen am 20.08.2026).
  8. Barthels, M. et al.: Hämophilie. Deutsche Hämophiliegesellschaft zur Bekämpfung von Blutungskrankheiten e. V. (Hrsg.). Dezember 2015. 
Verfügbar unter: https://www.dhg.de/fileadmin/dokumente/sonderdrucke/Haemophilie.pdf (abgerufen am 20.08.2026).

EXA/DE/HG/0361