Notfall

Wichtiger Hinweis

Die Inhalte dieser Seite beziehen sich ausschließlich auf die Erkrankungen Hämophilie und die Von-Willebrand-Erkrankung (VWE) und werden im Folgenden unter dem Begriff „Blutgerinnungsstörung“ zusammengefasst. Andere Gerinnungsstörungen können mit abweichenden Blutungssymptomen einhergehen und spezifische Maßnahmen erfordern. Kontaktieren Sie Ihre ärztliche Praxis, um Informationen zum Umgang mit der betreffenden Erkrankung zu erhalten.

Bei Menschen mit einer Blutgerinnungsstörung können je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedlich starke innere oder äußere Blutungen auftreten. Auch bei einer gut eingestellten Therapie lassen sich Verletzungen nicht völlig vermeiden. Äußere Verletzungen wie Schürf- oder Platzwunden sind meist gut sichtbar und können daher leichter eingeschätzt werden. Innere Blutungen sind dagegen schwieriger zu erkennen. In einem Notfall ist schnelles Handeln gefragt: Daher sollten sowohl Betroffene als auch ihre Angehörigen und regelmäßige Kontaktpersonen wissen, woran verschiedene Verletzungen ausgemacht werden können und was zu tun ist.

Bitte beachten Sie, dass die hier beschriebenen Symptome beispielhaft sind. Verletzungen und Blutungen können sich auch durch andere Beschwerden äußern. Bitte kontaktieren Sie bei jedem Verdacht auf innere Blutungen umgehend das zuständige Gerinnungszentrum.1

Vorkehrungen

Ein Unfall passiert schnell und unvorhergesehen. Sie können jedoch im Vorfeld einige Maßnahmen treffen, damit Sie und Ihr Umfeld einen kühlen Kopf bewahren und Verletzungen schnell versorgt werden können.

  • Gerinnungsmedikament: Bewahren Sie immer eine Notfalldosis Ihres Gerinnungsmedikaments zu Hause und ggf. am Arbeitsplatz auf. Auch unterwegs sollten Sie stets eine Notfallration bei sich haben. Verwenden Sie das Medikament ausschließlich nach Bedarf.
  • Notfallausweis: Ersthelfende müssen im Notfall so schnell wie möglich über Ihre Gerinnungsstörung Bescheid wissen. Tragen Sie Ihren Notfallausweis daher immer griffbereit bei sich. Dieser enthält wichtige Informationen zu Ihrer Erkrankung, sodass im Ernstfall umgehend eine adäquate Behandlung eingeleitet werden kann.2 Einen Notfallausweis können Sie kostenfrei in unserem Bestellservice anfordern.
  • Notfallnummern: Platzieren Sie Telefonnummern von Rettungsdienst, Gerinnungszentrum, Feuerwehr und Polizei sichtbar, z. B. neben dem Telefon. So kann Ihre Familie im Notfall schnell ärztliche Hilfe rufen. 
  • Gerinnungszentrum: Informieren Sie sich vor einem Ausflug oder einer Reise über Gerinnungszentren in der Nähe. Prüfen Sie zudem die Strecke von Ihrem Aufenthaltsort bis zum nächsten Gerinnungszentrum.
  • Offener Umgang: Klären Sie neben Ihrer Familie auch Arbeitskolleg:innen, Freund:innen und Mitbewohner:innen über Ihre Erkrankung auf. Sind Sie in einer Unfallsituation nicht mehr ansprechbar, können die Personen, die gerade bei Ihnen sind, dem Behandlungsteam Ihren Notfallausweis überreichen.
  • Betreuungseinrichtungen einbinden: Leidet Ihr Kind an einer Blutgerinnungsstörung, informieren Sie die betreuenden Personen in Kindergarten und Schule. Hinterlegen Sie auch dort einen Notfallausweis sowie Notfallnummern und -adressen. Auch eine Notfalldosis des Gerinnungsmedikaments sollte vor Ort gelagert werden. Unterrichten Sie Betreuende außerdem über das Vorgehen in einem Notfall.

Tipp: Packen Sie alle wichtigen Dinge, die in einem Notfall benötigt werden, in eine Notfalltasche. Die Tasche sollte immer griffbereit und an einem festen Platz deponiert werden. Informieren Sie auch Ihre Angehörigen darüber, damit diese im Ernstfall nicht lange suchen müssen.

Weitere praktische Hilfsmittel zur Vorkehrung von Notfällen bietet z. B. die Interessengemeinschaft Hämophiler e. V. (IGH) auf ihrer Website an.

Auf dem Bild ist ein Kind zu sehen, das einen Verband am Ellenbogen trägt. Der Fokus liegt auf dem Verband, der aus weißem Mull besteht und offenbar eine Wunde oder Verletzung abdeckt. Das Kind schaut auf seinen Arm, der Ärmel ist etwas hochgekrempelt, und der Hintergrund ist unscharf, vermutlich draußen im Grünen.

Typische Verletzungen

expand expand collapse collapse Gelenk- und Muskelblutungen

Mögliche Ursachen

  • Prellung1 
  • Überlastung 
(z. B. beim Sport)1
  • Keine erkennbare Ursache (bei schweren Formen der Blutgerinnungsstörung)3

Anzeichen

  • Schmerzen an der betroffenen Körperstelle (v. a. bei Bewegung)5,1,3 
  • Schwellung5,1,3 
  • Eingeschränkte Beweglichkeit5,1,3 
  • Betroffene Körperstelle wird warm und/oder kribbelt5,1,3

Mögliche Folgen

Mögliche bleibende Schäden am Gelenk1

Sofort-Maßnahmen

  • Schnell das Gerinnungsmedikament verabreichen1,5 
  • Den betroffenen Körperteil hochlagern und kühlen (Coolpack in einem Tuch gewickelt für maximal 20 Minuten am Stück auf die verletzte Stelle halten)1,5 
  • Mit dem Gerinnungszentrum die nächsten Schritte abstimmen1,5

Behandlungsbedarf

Es sollte so schnell wie möglich eine ärztliche Behandlung erfolgen.

expand expand collapse collapse Hirnblutung

Mögliche Ursachen

Sturz oder Schlag auf den Kopf (in seltenen Fällen)

Anzeichen

  • Starke Kopfschmerzen7 
  • Übelkeit und Erbrechen7 
  • Ungewöhnliche Müdigkeit7 
  • Gleichgewichts-störungen7 
  • Schwindel7

Mögliche Folgen

Eine Hirnblutung ist lebensbedrohlich.1,6

Sofort-Maßnahmen

  • Bei dem geringsten Verdacht auf eine Hirnblutung sofort den Rettungsdienst (112) rufen
  • Sofort das Gerinnungsmedikament verabreichen1 
  • Das Gerinnungszentrum kontaktieren 
  • Den Rettungskräften unbedingt den Notfallausweis überreichen

Behandlungsbedarf

Es sollte umgehend eine notärztliche Behandlung erfolgen.1,6

expand expand collapse collapse Blutungen im Magen-Darm-Trakt

Mögliche Ursachen

  • Verletzungen von außen8 

  • Keine erkennbare Ursache (v. a. bei älteren Menschen)8

Anzeichen

  • Blutiges Erbrechen7,1
  • Schwarzer oder blutiger Stuhl7,1
  • Schmerzen und Schwellung im Bauchraum, besonders im Oberbauch im Bereich der Milz und Leber7,1
  • Druckempfindlichkeit7,1

Mögliche Folgen

Eine Blutung im Magen-Darm-Trakt kann lebensbedrohlich sein.1

Sofort-Maßnahmen

Bei Verdacht umgehend den Rettungsdienst (112) rufen oder sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben1

Behandlungsbedarf

Es sollte umgehend eine notärztliche Behandlung erfolgen.1

expand expand collapse collapse Nieren- und Blasenblutungen

Mögliche Ursachen

  • Schlag oder Stoß in den Nierenbereich1 
  • Keine erkennbare Ursache (bei schweren Formen der Blutgerinnungsstörung)1

Anzeichen

  • Blut im Urin bzw. sehr dunkler Urin1
  • Schmerzen und/oder Schwellung im Bauchraum1
  • Starke Rückenschmerzen1

Mögliche Folgen

Sofort-Maßnahmen

Bei Verdacht umgehend die ärztliche Praxis oder das Gerinnungszentrum aufsuchen1

Behandlungsbedarf

Es sollte so schnell wie möglich eine ärztliche Behandlung erfolgen.1

expand expand collapse collapse Verletzungen im Hals- und Rachenraum

Mögliche Ursachen

  • Äußere Verletzungen1 
  • Schwere Hustenanfälle1

Anzeichen

  • Schwellung im Rachen bzw. Halsbereich1 
  • Schluck-beschwerden1 
  • Schmerzen im betroffenen Bereich1 
  • starker Husten1

Mögliche Folgen

Die Schwellung kann die Atmung behindern.7

Sofort-Maßnahmen

  • Den Rettungsdienst (112) rufen7,1 
  • Das Gerinnungsmedikament verabreichen7,1 
  • Den Kopf vorsichtig leicht erhöht lagern7,1

Behandlungsbedarf

Es sollte umgehend eine notärztliche Behandlung erfolgen.1

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Referenzen

  1. Srivastava A et al. WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3rd edition. Haemophilia. 2020; 26(S6): 1–158. 
https://doi.org/10.1111/hae.14046. Abgerufen am 09.05.2025. 
  2. Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e. V. (GTH): Interdisziplinäre S2k-Leitlinie Therapie angeborener thrombozytärer Erkrankungen, Stand April 2020; gültig bis 01.04.2025 (befindet sich in Überarbeitung). 
https://register.awmf.org/assets/guidelines/086-004l_S2k_Therapie-angeb…. Abgerufen am 09.05.2025. 
  3. Konkle BA, Nakaya Fletcher S. Hemophilia A. 2000 Sep 21 [Updated 2023 Jul 27]. In: Adam MP, Feldman J, Mirzaa GM et al., editors. GeneReviews [Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993-2023. 
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1404/ Abgerufen am 09.05.2025. 
  4. Al Aseri ZA, Alkhamis WS, Alshanqiti WA. Management of acute hemorrhage in patients with hemophilia or von Willebrand disease in the emergency department. Signa Vitae. 2022; 19(1): 1-8. 
https://www.signavitae.com/articles/10.22514/sv.2022.049. Abgerufen am 09.05.2025. 
  5. Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e. V. (GTH): S2k-Leitlinie Synovitis bei Hämophilie, Stand: 02.12.21, 2. akt. Aufl. 2022; gültig bis 14.01.2027. 
https://register.awmf.org/assets/guidelines/086-005l_S2k_Synovitis-bei-…. Abgerufen am 09.05.2025. 
  6. Witmer C. et al. Associations between intracranial haemorrhage and prescribed prophylaxis in a large cohort of haemophilia patients in the United States. British Journal of Haematology. 2011; 152(2): 211-216. 
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21114482/. Abgerufen am 09.05.2025. 
  7. Mehta P, Reddivari AKR. Hemophilia. [Updated 2023 Jun 5]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023. 
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK551607/. Abgerufen am 09.05.2025. 
  8. Weyand AC, Flood VH. Von Willebrand Disease: Current Status of Diagnosis and Management. Hematology/Oncology Clinics of North America. 2021; 35(6): 1085-1101. 
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34400042/. Abgerufen am 09.05.2025.

EXA/DE/HG/0319