Reisen und Urlaub

Eine Blutgerinnungsstörung wie die Hämophilie oder das Von-Willebrand-Syndrom (VWS) muss Sie keineswegs davon abhalten zu verreisen. Auch mit einer dieser Erkrankungen können Sie ferne Länder erkunden und in fremde Kulturen eintauchen. Damit unterwegs alles reibungslos läuft, empfiehlt es sich, einige Vorbereitungen zu treffen und Kriterien zu prüfen: Wichtig ist etwa, wie die medizinische Versorgung vor Ort aussieht oder ob Sie Ihr Gerinnungsmedikament in Ihrer Unterkunft gekühlt lagern können.1

Holen Sie im Vorfeld ausführliche Informationen über Ihr Reiseziel ein und tauschen Sie Erfahrungen mit anderen Betroffenen aus.

Vorbereitung

Unterwegs gut versorgt

Bevor Sie verreisen, informieren Sie sich zunächst über die medizinische Versorgung vor Ort speziell für Menschen mit Blutgerinnungsstörungen. Ein Verzeichnis der Gerinnungszentren weltweit finden Sie hier. Prüfen Sie noch vor Reisebeginn,

  • wie weit das Behandlungszentrum vom Urlaubsort entfernt ist, 
  • mit welchen Transportmitteln Sie das Behandlungszentrum erreichen und 
  • wie zuverlässig die örtlichen Transportmöglichkeiten sind.1

Fernreisen, längere Auslandsaufenthalte und Reisearten, bei denen die medizinische Versorgung nicht durchgehend gewährleistet ist
(z. B. Backpacking, Rundreisen), sollten Sie vorab ärztlich abstimmen.1 Ihre Behandler:innen können Ihnen sagen, worauf im Speziellen
zu achten ist.

Auch Ihre Mitreisenden sollten über Ihre Erkrankung informiert sein. Ist Ihr Kind an Hämophilie oder VWS erkrankt, gehen Sie vor einer Klassenfahrt oder Ferienfreizeit auf die Aufsichtspersonen zu. Erklären Sie Ihnen, was bei einem Notfall zu tun ist und teilen Sie mit Ihnen Notfallkontakte und -adressen. Diese sollten während der gesamten Reise griffbereit sein.1

Schließlich ist auch ein angemessener Versicherungsschutz auf Reisen wichtig. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, welche Leistungen bei Auslandsreisen von der Versicherung abgedeckt sind. Eventuell ist eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll.1,2

Umgang mit Gerinnungsmedikamenten auf Reisen

Kalkulieren Sie gemeinsam mit Ihrer Hämostaseologin bzw. Ihrem Hämostaseologen die mitzuführende Menge Ihres Gerinnungsmedikaments (durchschnittlicher Verbrauch plus Reserve). Auch ausreichend Injektionszubehör sollte in Ihrem Gepäck sein. Planen Sie so, dass Sie mit Ihrem Vorrat möglichst unabhängig sind. Denn in manchen Ländern können Sie sich nicht auf eine adäquate medizinische Versorgung verlassen: So kann etwa Ihr Medikament nicht vorrätig sein oder es werden Gerinnungspräparate eingesetzt, die nicht virusinaktiviert sind.1,2 Informieren Sie sich im Voraus beim Gerinnungszentrum an Ihrem Urlaubsort.

Während der Reise sowie am Zielort muss die adäquate Lagerung Ihres Gerinnungsmedikaments sichergestellt sein. Prüfen Sie am besten bei der Suche nach einer Unterkunft, ob dort ein Kühlschrank vorhanden ist.

Impfschutz

Sprechen Sie frühzeitig vor Reiseantritt (mind. 8 Wochen) mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt über eventuell notwendigen Impfschutz und lassen Sie die für Ihr Reiseziel empfohlenen Impfungen durchführen. In manchen Ländern besteht eine Nachweispflicht für bestimmte Impfungen. Fast alle regulären Impfstoffe können auch subkutan (unter die Haut) injiziert werden.3 Erste Informationen liefert u. a. die Website des Robert Koch-Instituts. 

Mehr über das Thema Impfungen bei einer Blutgerinnungsstörungen erfahren Sie hier.

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Tipps für unterwegs

Transportieren Sie Ihr Gerinnungsmedikament einschließlich ärztlicher Bescheinigung und eventuell nötiges Injektionszubehör immer im Handgepäck. Das ist vor allem bei Reisearten wichtig, bei denen Sie Ihr Gepäck nicht immer im Blick haben können, etwa bei Flug- oder Zugreisen. Auch auf Ausflügen empfiehlt es sich, stets eine Notfallration Ihres Medikaments dabeizuhaben, um im Fall einer Verletzung direkt reagieren zu können. Achten Sie außerdem darauf, das Medikament bei jedem Transport kühl aufzubewahren. Hierfür können Sie z. B. Kühlakkus, speziell isolierte Taschen oder eine Kühlbox verwenden.4,1

Sie müssen unterwegs eine Injektion vornehmen? Suchen Sie sich dafür einen geeigneten Ort: Er sollte eine saubere, stabile Unterlage bieten und möglichst ruhig sein. Tipp: Gehen Sie auf das Personal im Zug, Flugzeug oder Reisebus zu und fragen Sie nach einem Bereich möglichst ohne Zuschauende.

Pausen während der An- und Abreise bieten Gelegenheit für etwas Bewegung. Mit Dehn- und Lockerungsübungen können Sie steifen Gelenken und verspannten Muskeln durch langes Sitzen entgegenwirken.

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Checkliste

Neben Ihrem Gerinnungsmedikament können folgenden Dinge hilfreich oder sogar erforderlich sein – sowohl bei der An- und Abreise als auch auf Ausflügen:4,2,1

  • Ärztliche Bescheinigung über die Erkrankung und das notwendige Mitführen des Gerinnungsmedikaments. Einen Vordruck in mehrsprachiger Ausführung finden Sie z. B. hier
  • Zollbestätigung, die erklärt, welche Medikamente und warum Sie davon größere Mengen sowie Spritzenbesteck dabeihaben; außerdem können Originalverpackung und Beipackzettel sinnvoll sein. 
  • Notfallausweis 
  • Impfausweis 
  • Notfallnummern und -adressen, z. B. vom nächsten Gerinnungszentrum 
  • Krankenversicherungskarte für Reisen innerhalb Deutschlands und ggf. Karte einer zusätzlichen Auslandskrankenversicherung 
  • Ggf. Schwerbehindertenausweis 
  • Kühlakkus, um Verletzungen oder spontane Blutungen schnell lindern zu können. 
  • Schmerzmittel: Besprechen Sie vorab mit Ihrer Hämostaseologin bzw. Ihrem Hämostaseologen, welches Präparat für Sie in Frage kommt und welche Menge Sie benötigen. 
  • Desinfektionsmittel 
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Referenzen

  1. Krebs, H.; Klingensteiner, P.; Bidlingmaier, C.; Kalnins, W.: Hämophilie und Reisen. Deutsche Hämophiliegesellschaft e. V. (Hrsg.). 3. Auflage, Hamburg 2013
Verfügbar unter: https://www.dhg.de/fileadmin/dokumente/sonderdrucke/Haemophilie_und_Reisen.pdf. (abgerufen am 11.12.2023) 
  2. Deutsche Hämophiliegesellschaft e. V.: Reisen. URL: https://www.dhg.de/leben-mit-blutungserkrankungen/reisen.html (abgerufen am 11.12.2023) 
  3. Robert Koch-Instutit (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epidemiologisches Bulletin 14 2023, 06.04.2023.
Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2023/Ausgaben/14_23.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 11.12.2023) 
  4. World Federation of Hemophilia: Find local support. Tips for travellers. URL: https://wfh.org/find-local-support/#tips (abgerufen am 11.12.2023)

EXA/DE/CMV/0007_01/2024