Sport und Fitness

Körperliche Aktivität bei einer Blutgerinnungsstörung

Ausreichend Bewegung und Sport sind gemeinhin wichtig für die Gesundheit. Dadurch kann sowohl das Risiko z. B. für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Osteoporose gesenkt als auch die psychische Gesundheit unterstützt werden.1

Für Menschen mit einer Blutgerinnungsstörung wie Hämophilie oder dem Von-Willebrand-Syndrom (VWS) bringt körperliche Aktivität weitere Vorteile mit sich und ist deshalb wichtiger Bestandteil des Behandlungsplans. Mithilfe regelmäßiger Bewegung werden etwa die Muskeln gestärkt. Gekräftigte Muskeln sowie eine gut entwickelte Koordinationsfähigkeit und Beweglichkeit tragen dazu bei, z. B. Stürzen vorzubeugen und die Gelenke zu stabilisieren. Körperliche Bewegung in ausreichendem Maß erleichtert zudem, Normalgewicht zu halten bzw. zu erreichen. Dies wiederum entlastet die Gelenke. Darüber hinaus können durch gezielte körperliche Übungen Schmerzen durch Gelenkbeschwerden gelindert werden.2,3

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Sport: was und wie?

Bevor Sie eine neue Sportart ausprobieren, sollten Sie sich vorab mit Ihrem Behandlungsteam dazu abstimmen. Inwieweit eine Sportart für Sie geeignet ist, hängt u. a. von Ihrer individuellen Blutungsneigung, Zielgelenken und Ihrer körperlichen Verfassung ab. Auch Ihre Vorerfahrung sowie die Sportart selbst (Ausübung, Belastung, Verletzungsrisiko) spielen eine wichtige Rolle.2,4 Fahrradfahren etwa ist als gemäßigter Freizeitsport oder auf dem Hometrainer weniger risikoreich als Mountainbiking.5 Mit Ihrer Hämostaseologin bzw. Ihrem Hämostaseologen können Sie über eine Anpassung Ihrer Therapie, eventuelle Schutzmaßnahmen (z. B. Schutzausrüstung) und den für Sie geeigneten Trainingseinstieg sprechen.6 Auch können eher risikoreiche Sportarten abgewandelt werden, sodass diese ohne erhöhte Verletzungsgefahr ausgeübt werden können, etwa asiatische Kampfsportarten ohne Körperkontakt.5 Ihr Behandlungsteam oder qualifizierte Trainer:innen können Sie dabei unterstützen, die jeweilige Sportart so zu gestalten, dass Sie ihre Vorteile gezielt als Training und Teil Ihrer Therapie einsetzen können.

Haben Sie den passenden Sport gefunden, sollten Sie stets die eigenen körperlichen Grenzen beachten. Vermeiden Sie Überanstrengung, um etwa Gelenk- und Muskelblutungen vorzubeugen.7 Achten Sie außerdem darauf, die Bewegungsabläufe ergonomisch auszuführen. Hierbei können Sie von speziell ausgebildeten Sporttherapeut:innen oder Trainer:innen unterstützt werden. Besonders für Einsteiger:innen ist ein angeleitetes Sportprogramm ratsam.6

Welche Rolle spielt der Faktorstatus?

Sport sollte stets nur mit einem ausreichenden Blutungsschutz betrieben werden. Je nach Erkrankung können ausreichende FVIII-Spiegel über ein Hämophilie-Präparat oder durch Gabe einer VWS-Therapie erreicht werden.6,8 Da jeder Körper ein Gerinnungsmedikament unterschiedlich schnell abbaut, wird die Therapie entsprechend individuell zugeschnitten. Dabei sind auch der Lebensstil und das Aktivitätslevel der betreffenden Person relevant. Besprechen Sie daher mit Ihrer Hämostaseologin bzw. Ihrem Hämostaseologen, wie oft Sie sich sportlich betätigen und welche Sportart sie ausüben möchten. So können Ihre sportlichen Aktivitäten in Ihrem Therapieplan berücksichtigt werden.6,2

Weitere Informationen erhalten Sie in den Artikeln über die Therapie bei Hämophilie und Von-Willebrand-Syndrom.

Sportarten mit geringem Blutungsrisiko

Als gut geeignet gelten kontaktarme Sportarten sowie Sportarten mit geringer Gelenkbelastung (z. B. mit wenig Stoß- und Scherkräften), da diese ein geringeres Verletzungsrisiko bergen. In Frage kommen z. B. Schwimmen, (Nordic-)Walking, Tai-Chi, Golf, Tischtennis, Rudern oder Bogenschießen.1,6

Sportarten mit hohem Blutungsrisiko

Weniger geeignet sind dagegen Sportarten, bei denen es leicht zu Verletzungen kommen kann, etwa durch Zusammenstöße und Stürze oder starke Belastung der Gelenke,  z. B. durch hohe Geschwindigkeiten, Sprünge, ungünstige Gelenkbewegungen. Dazu zählen u. a. Ball- und Kampfsportarten, Hockey, Rugby, Squash oder Motorcross.6,5

Tipp: Sie brauchen eine Orientierungshilfe bei der Wahl einer Sportart? Testen Sie den Haem-o-mat : Anhand eines Fragebogens berechnet das webbasierte Tool aus einer großen Auswahl an Sportarten, welche für Sie geeignet sind. Das Projekt wird von der Interessengemeinschaft Hämophiler e. V. (IGH) bereitgestellt.

Vor und nach dem Sport

Beginnen Sie jede Trainingseinheit mit einer auf Sie zugeschnittenen Aufwärmphase. Das ist wichtig, um den Kreislauf hochzufahren und Muskeln und Gelenke auf die sportliche Aktivität vorzubereiten.

Nach dem Sport sollte dementsprechend eine Entspannungsphase erfolgen. Lassen Sie sich im Vorfeld von einer physio- bzw. sporttherapeutischen Fachkraft geeignete Übungen zeigen.5

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Fitness mit Dagmar

Unsere Fitness-Expertin Dagmar Zajontz M. A. hat Sportwissenschaften und medizinische Psychologie studiert. Als erfahrene Trainingstherapeutin hat sie unzählige Menschen in Kliniken und Gesundheitszentren wieder in Bewegung gebracht und Patient:innen bei einem individuellen Muskel- und Konditionsaufbau angeleitet. Ihr Ziel dabei ist, optimal passende Übungen für jeden Fitnesstand und jede Lebenssituation zu finden.

In diesen Fitness-Videos zeigt Dagmar Zajontz Ihnen einfache und zugleich effektive Übungen. Die klaren Anleitungen helfen Ihnen dabei, die Übungen korrekt auszuführen. Konkrete Trainings-Tipps lenken Ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Aspekte.

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Referenzen

  1. Atiq F, Mauser‐Bunschoten EP, Eikenboom J, et al.; for the WiN study group. Sports participation and physical activity in patients with von Willebrand disease.
Haemophilia. 2019;25:101–108. https://doi.org/10.1111/hae.13629 (abgerufen am 14.12.2023) (abgerufen am 14.12.2023) 
  2. Lassandro G, Accettura D, Giordano P. Promoting Sports Practice in Persons with Hemophilia: A Survey of Clinicians' Perspective. Int J Environ Res Public Health. 2021 Nov 11;18(22):11841. doi: 10.3390/ijerph182211841. PMID: 34831596; PMCID: PMC8625842. 
  3. Wagner, B., Seuser, A., Krüger, S. et al. Establishing an online physical exercise program for people with hemophilia. Wien Klin Wochenschr 131, 558–566 (2019).
https://doi.org/10.1007/s00508-019-01548-1 (abgerufen am 14.12.2023) 
  4. Hilberg, T. Programmed Sports Therapy (PST) in People with Haemophilia (PwH) “Sports Therapy Model for Rare Diseases”. Orphanet J Rare Dis 13, 38 (2018).
https://doi.org/10.1186/s13023-018-0777-7 (abgerufen am 14.12.2023) 
  5. Kurme A, Seuser A: Fit durch Bewegung, 1. Auflage Hamburg: Omnimed 2002. 
  6. Srivastava A, et al.: WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3rd edition. Haemophilia. 2020:00: 1–158.
Verfügbar unter: https://doi.org/10.1111/hae.14046 (abgerufen am 14.12.2023) 
  7. Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e. V. (GTH): S2k-Leitlinie Synovitis bei Hämophilie, Stand: 02.12.21, 2. akt. Aufl. 2022; gültig bis 14.01.2027.
Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/086-005l_S2k_Synovitis-bei-Haemophilie_2023-02.pdf (abgerufen am 14.12.2023) 
  8. Connell NT et al., ASH ISTH NHF WFH 2021 guidelines on the management of von Willebrand disease; Blood Adv (2021) 5 (1): 301–325.
https://ashpublications.org/bloodadvances/article/5/1/301/474884/ASH-ISTH-NHF-WFH-2021-guidelines-on-the-management (abgerufen am 14.12.2023) 

EXA/DE/CMV/0008_01/2024