Therapie der Von-Willebrand-Erkrankung
Aktuelle Therapieansätze
On-Demand-Therapie:2
Perioperative Therapie:4
Prophylaxe:2,5
Synthetisches Derivat
Bei der Anwendung, die intravenös, subkutan oder intranasal erfolgen kann, werden die körpereigenen Speicher von VWF und FVIII genutzt.3 Daher spricht man von autologer Substitution.3 Dies ist die Standardtherapie bei Patient:innen mit VWE Typ 1.3 In 80 % der Fälle können so vorübergehend adäquate Plasmaspiegel von FVIII und VWF erreicht werden.3
Bei VWE Typ 3 ist diese Therapie wegen mangelnder Wirksamkeit und bei VWE Typ 2B wegen erhöhter Thrombozytenbindung mit nachfolgender Thrombozytopenie kontraindiziert.5 Auch sprechen viele Patient:innen mit Typ 2 nicht auf die Therapie an.5 Eine weitere Einschränkung ist die Entwicklung einer Tachyphylaxie, so dass eng aufeinanderfolgende und wiederholte Verabreichungen mit einer fortschreitenden Abnahme der FVIII- und VWF-Antwort einhergehen können.3
VWF/FVIII-haltige Produkte3
Viele Substitutionspräparate, die VWF und FVIII enthalten, wurden ursprünglich zur Behandlung von Patient:innen mit Hämophilie A entwickelt und können auch bei der Therapie der VWE verwendet werden. Sie werden aus menschlichem Plasma gewonnen und können beide vorhandenen Mängel korrigieren.
Eingesetzt werden sie bei folgenden Patient:innengruppen:
- Patient:innen mit den Typen 3, 2 (2A, 2B, 2M) und bei den relativ seltenen Fällen des Typs 1, die unzureichend auf die Therapie mit einem synthetischen Derivat eines körpereigenen Hormons ansprechen
- Patient:innen, die eine schnelle Plasma-Clearance von FVIII und VWF aufweisen
- Patient:innen, die wiederholte Infusionen benötigen, insbesondere im chirurgischen Kontext
Je nach klinischer Situation kann der Gehalt an FVIII in diesen Präparaten sich als günstig erweisen oder eher nicht erwünscht sein. Die Gabe des VWF stabilisiert FVIII im Blut. FVIII wird langsamer abgebaut und der FVIII-Spiegel steigt als Folge der VWF-Infusion an. Bei chirurgischen Eingriffen und anderen klinischen Situationen können mehrere therapeutische Dosen erforderlich sein. Durch die Addition des exogen verabreichten und des endogen freigesetzten FVIII kann es zu einer Akkumulation von FVIII im Plasma und zu sehr hohen Werten kommen. Das daraus resultierende erhöhte Thromboserisiko (vor allem venöse Thromboembolien) kann durch eine Laborüberwachung des FVIII-Spiegels kontrolliert werden.
VWF-Produkte3
Andere Präparate zur Behandlung der VWE enthalten fast nur VWF und lediglich geringe Anteile an FVIII. Dieser Therapieansatz beruht auf der biologischen Annahme, dass die Substitution des VWF zur Stabilisierung des FVIII führt und es dadurch zur endogenen (körpereigenen) Korrektur des FVIII-Mangels kommt. Dieser Gedanke wurde zunächst durch die Herstellung eines aus Plasma gewonnenen Konzentrats und dann mit einem durch rekombinante DNA-Technologie hergestellten Produkt umgesetzt.
Aus Plasma gewonnenes reines VWF-Konzentrat ist praktisch frei von FVIII und hat daher ein viel höheres Aktivitätsverhältnis zwischen vVWF und FVIII als andere aus Plasma gewonnene Produkte. Dies ist ein Vorteil in allen Situationen, die durch ein erhöhtes Thromboserisiko gekennzeichnet sind und in denen einem sehr hohen Plasmaspiegel von FVIII vorgebeugt werden sollte.
Rekombinantes VWF-Konzentrat (rVWF) enthält nur Spuren an FVIII. Weil rVWF im Herstellungsprozess keiner Proteolyse durch ADAMTS13 ausgesetzt ist, enthält das rekombinante VWF-Konzentrat auch ultragroße VWF-Multimere. Diese befinden sich normalerweise nicht im Plasma, sondern kommen physiologisch als Speicherform in Endothelzellen und Thrombozyten vor. Das rekombinante VWF-Präparat hat eine lange Plasmahalbwertszeit und enthält die multimere Fraktion, die bei der primären Hämostase am aktivsten ist.
Ergänzende Therapien
Antifibrinolytika (Substanzen, die die Auflösung von Thromben verhindern), z. B. Tranexamsäure, können als ergänzende Therapien nützlich sein und werden insbesondere bei Schleimhautblutungen wie Epistaxis, oralen Blutungen und Menorrhagie eingesetzt.3
Bei Frauen ohne Kinderwunsch können orale Kontrazeptiva zur Behandlung von Menorrhagien bei gleichzeitiger Reduktion von Menstruationsschmerzen hilfreich sein.5
Informationen zu weiteren Maßnahmen, die der Stillung akuter Blutungen dienen, finden Sie hier.
EXA/DE/VWD/0005